Mittwoch, 16. März 2011

Heute vor einem Jahr

Heute, vor einem Jahr, am 16.3. 2010 erlebten wir die Hölle auf Erden.
Meine Blog-Leser wissen, wovon ich schreibe.

Der Tag begann gewöhnlich und völlig normal und endete in einem Desaster, welches wir bis heute nicht ganz verarbeitet haben. Im Auslauf Arkenberge rissen Edgar, Igor und Victor aus, gemeinsam mit Novi, der sie allesamt hinterher gerannt waren.
Als mich die Nachricht vom Weglaufen der Hunde erreicht hatte, machte ich mich völlig aufgelöst auf nach Arkenberge und erfuhr wenige Minuten später die Nachricht vom Tod Igors. Ich holte sofort Gordon aus dem Laden ab, wir fuhren weinend und schweigend zum Ort des Geschehens, bis wir mit dem Auto vor unserem zerfahrenen Hund standen. Es war die Hölle! Wir hatten aber wenig Zeit, um uns auf irgend etwas zu konzentrieren, denn nun ging es weiter mit der Suche nach den anderen drei vermissten Hunde weiter, dies mit Igor im Kofferraum.
Zuerst übernahm ich die Aufgabe, in völlig geschocktem Zustand Olivia anzurufen, die tausende Kilometer entfernt im Urlaub weilte, um ihr mitzuteilen, dass Victor weggelaufen ist. Ich werde ihr Weinen und ihre Verzweiflung am Telefon niemals vergessen.
Unser Igor
Es begann die Suche nach den Hunden bis in die späte Nacht und den ganzen Tag darauf. Viele viele Helfer standen uns zur Seite, wir sind immer noch sehr dankbar, für die Unterstützung und den Halt, den wir erfahren durften. Wir waren alle sehr verzweifelt. Am kommenden Vormittag kam zuerst Victor wieder, danach fand sich glücklicherweise auch Novi ein, beide kamen an den Ort zurück, an dem sie weggelaufen waren. Alle waren sehr sehr glücklich und erleichtert - uns fiel es nicht einfach, sich zu freuen, denn es fehlte noch einer: Edgar. Da kommen einem viele Fragen auf und obwohl es totaler Quatsch ist, denkt man über sowas wie Gerechtigkeit nach...Was in solchen Situationen im Kopf eines Menschen abgeht, ist unglaublich.
Das war Edgar Wunde - er war auch vom LKW erfasst worden

Als wir am Abend des zweiten Tages aufgaben und völlig demoralisiert den Heimweg aufnahmen, während wir daran dachten, dass uns auch Edgar für immer genommen worden wäre, klingelte mein Handy. Mir klingen die Worte noch im Ohr, als wären sie gerade erst gesagt worden: "Sie vermissen doch Ihren Hund Edgar?" JA! "Er sitzt hier bei uns auf der Wache, er lebt, aber es geht ihm nicht gut!"
Es war unsere zuständige Polizeiwache. Wir fielen uns in die Arme, die Tränen flossen eimerweise und wir fuhren - zum Glück ohne Unfall - zur Wache.
Dort fanden wir einen völlig entkräfteten und verletzten Edgar. Wir nahmen ihn die Arme und waren so glücklich. Er konnte sich nur schwer freuen, er war am Ende. Wir fuhren in die Klinik und waren dann spät am Abend mit Edgar daheim.
Er schlief zwei Tage am Stück, war lange verstört und ängstlich.
Ein Mann soll ihn gefunden haben. Die Polizei meinte, der Mann hatte ihn erst behalten wollen.... So blöd dieser Spruch auch ist, sind wir dem Mann sehr dankbar, dass er sich doch dazu entschieden hat, Edgar bei der Polizei abgzugeben. Leider konnten wir uns bei dem Mann nie persönlich bedanken.

Igors Urnchen
Wie ihr seht, ist der 16.3. des letzten Jahres immer noch sehr präsent. Viele viele Dinge sind hängen geblieben und unser Leben hat sich danach geändert.
Wir schauen an den Straßen und Autobahnen oft an den Rand und "suchen" nach überfahrenen Tieren, es will einfach nicht weggehen....wir waren bis heute nie wieder in Arkenberge, dieser Ort ist für uns verhext. Und wir sind menschlich schwer enttäuscht worden. Bestimmte Namen und Begriffe sind so besetzt, dass sie zu Angstzuständen und Schweißausbrüchen führen und machen einen rasend aus Verzweiflung über das, was passiert ist!
Eins ist klar: für mich ist nichts wie vorher. Ich fühlte mich einer Situation ausgesetzt, welche eine emotionale Ausnahmesituation war. Ich bin geerdet worden, auf den Boden der Tatsachen zurückgekommen und gucke jetzt wieder anders auf Mensch und Hund, als vorher. Vertrauen in Menschen war bei mir noch nie einfach und ist durch diese konkrete Lebenserfahrung nicht einfacher geworden.
Wir haben den Weg gewählt, mit dieser Zeit, diesem Kapitel abzuschließen, wir wollen es beenden, was nicht heißt, dass wir unseren Igor vergessen, nie!
Unser Edgar
Igor ist immer bei uns und Edgars große Narbe erinnert uns jeden Tag an das Geschehene. Jeden Tag haben wir ihn im Arm und sind sehr dankbar, dass er uns nicht auch genommen wurde.

Für Edgar und uns beginnt nun am kommenden WE eine neue Zeit. Rupert zieht bei uns ein und wir sind dann wieder zu viert und Edgar hat einen neuen Kumpanen.
Es ist schon ein komisches Gefühl, aber wir betrachten es als Fügung, Igor ging vor genau einem Jahr und Rupert kommt, fast auf den Tag genau.
Wichtig ist für uns aber unbedingt, dass wir Rupert nicht als Ersatz sehen.
Mit ihm beginnt etwas Neues und Anderes.
Ich wünsche euch, von solchen Erlebnissen verschont zu bleiben und uns allen eine gute Zeit mit unseren Whippen.
In diesem Sinne!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hi Ihr drei mir kullern auch wider wie doll diese demlichen Trenen als ich es eben gelesn habe (der schmerz wirt nie vergen glaubt mir,ich habe auch schon ganz viele Tiere verloren)
Aber bei euch ziht ja jetzt zum Wochenednde was ganz süßes wider ein Gott sei dank,in der hoffnung das Edgar sich ganz schnell dran gewöhnt.
Viele nachdenkliche Grüße euer Tanja samt Macy
P.S.Arkenberge würde ich wie so nicht fahren wollen vor allem wenn man das den noch zum Winter mit bekommen hat mit Floppy der ja auch Gott sei dank wider da ist mit dem Edgar ja auch schon angeben konnte.

Uli hat gesagt…

Mir ist es vorhin auch durch den Kopf geschossen, was heute für ein Tag ist und ich kann mir gut vorstellen, wie sehr das alles beim Schreiben wieder hochgekommen ist. Ging mir beim Lesen auch so. Ich wünsche euch und vor allem Edgar, dass ihr über das Geschehene irgendwann hinwegkommt. Klein-Rupert ist natürlich kein Ersatz, das soll er ja auch nicht sein aber er wird sicher euer Leben bereichern.

Lebensumbau hat gesagt…

... es ist wichtig sich all das von der Seele zu schreiben damit man es Stück für Stück verarbeiten kann. So ein Erlebnis ist der blanke Horror und ich hoffe und wünsche mir für uns Hundebesitzer das so etwas nie bzw. nie mehr wieder passiert. Es grüßt ganz herzlich die Frau Lebensumbau und die Hunde-Maus.

Anonym hat gesagt…

in gedanken ganz bei Igor und diesen schlimmen Tagen !
Jutta & Patrick

Inge hat gesagt…

Igor hat Euch Rupert geschickt! Er würde sicher gerne haben, dass ihr nicht mehr um ihn trauert sondern Euch darüber freut, dass er, wenn auch nur eine kurze Zeit, mit Euch sein konnte. Und damit Euch das leichter fällt, schickt er jetzt Rupert zu Euch! Nicht als Ersatz, sondern um alles Alte abzuschliessen und etwas Neues zu beginnen.

Laßt Euch ganz fest drücken!!

Inge & Lucky

Nina hat gesagt…

Igor fehlt und das wird er immer. Ich kann mich noch ganz genau an meine Gefühle erinnern, als ich am 16.3. vor einem Jahr abends noch schnell auf Mariannes Blog reinschaute und von Igors Unglück las. Es war grausam und unabänderlich und diese Angst um Edgar und die anderen Whippets.....
Am nächsten Tag konnte ich wenigstens bei der Suche mithelfen und als ich den erlösenden Anruf von Uli bekam, liefen mir im NETTO die Tränen übers Gesicht.
Ich weiß nicht, wie ich an eurer Stelle mit diesen Gefühlen, Bildern, Entäuschungen umgegangen wäre.
Dass ihr beide eure Art gefunden habt, den traurigen Verlust von Igor zu durchleben und was ich davon mitbekommen habe, finde ich toll, gut, klasse, vorbildhaft, keine Ahnung, wie das passende Wort dafür lautet. Auf jeden Fall habt ihr es geschafft, euren Edgar weiterhin über Wiesen rennen zu lassen und jetzt, nach diesem Trauerjahr, öffnet ihr eure Herzen für ein neues Familienmitglied.
Ich freue mich besonders, dass es ein Sohn von Joker ist. Rupert wird einen wundervollen Platz bei euch haben. Wenn ich Joker erzählen würde, was für ein Schlafsack auf Rupert wartet.....!!!
Dass Igor nicht mehr lebt, macht mich immer noch sehr traurig. Dass Roufus-Rupert, genannt die "Rakete" bei euch einzieht erfüllt mein Herz mit Freude.
Bis bald,
herzlich,
Großtante Oma Nina

Anonym hat gesagt…

Hi Nina
Du hast es auf den Punkt gebracht genau das meinte ich seit ihr eigentlich all beide Tage in den Messehallen?
LG Tanja die Woody auch sofort nehmen würde und Macy

Nina hat gesagt…

Hallo Tanja,
ich bin mit Joker am Samstag in den Messehallen. Dann sehen wir uns.
Liebe Grüße,
Nina

AMAZING hat gesagt…

Hallo Ihr Lieben,
was habe ich mit euch gelitten und gebangt. Auch ich werde das nie vergessen und ich freue mich, das jetzt mit Rupert ein neues Familienmitglied bei Euch einziehen wird. In vielem wird er Euch an Igörchen erinnern und trotzdem ein ganz anderer sein. Mit ihm weht ein neuer Wind in Eurer 'Bude' und ich wünsche Euch allen zusammen alles Glück dieser Erde und ein glückliches, friedliches, langes zusammen leben.
Ich drück Euch
Ilona mit Mellchen

Sandra hat gesagt…

Auch wenn wir uns nicht kennen, waren eure und Mariannes Einträge damals ein großer Schock und ein großer Angstfaktor für mich. Fridolin war bereits auf der Welt und ist 4 Wochen später bei mir eingezogen - und ich hatte ja keine Erfahrung mit Whippets. Mir wurde schmerzhaft bewusst, auf was ich mich mit der Anschaffung eines eigenen Hundes, noch dazu eines Whippets, einlassen würde.
Ich danke euch trotz allem für die ausführliche Berichterstattung und das Teilen eurer Gefühle. Auch wenns euch vielleicht nicht bewusst ist: Euer schreckliches Erlebnis hat mir und viell. auch anderen Whippetbesitzern vor Augen geführt, wie sehr man immer auf der Hut sein muss - und rettet somit indirekt Leben. Es hat mich sensibilisiert und ich passe doppelt so gut auf, als ich es unter normalen Umständen gemacht hätte. Ich versuche immer vorausschauend zu denken, Gefahren bewusst abzuschätzen und gehe lieber einmal zuviel auf Nummer sicher als einmal zu wenig.

Whippenblog von Edgar und Igor hat gesagt…

Liebe Sandra, danke f deinen Kommentar.
Ich weiß, dass unsere Geschichte die Whippetwelt, zumindest die vernetzte, bewegt hat.
Ich denke auch, dass Igors Tod und das Verschwinden der anderen Whippchen, genauso wie jetzt noch einmal in jüngster Vergangenheit die Story um Floppchen, viele Whippetbesitzer zum Nachdenken, Umdenken, Dazulernen angeregt, veranlasst hat. Auch ich lebe seitdem, genauso, wie du es beschreibst, anders. Ich gehe anders spazieren, ich benutze meine Augen nochmal anders als sonst und ich beobachte meinen Hund ganz anders. Ich lerne die Signale, um später, zur rechten Zeit (und das ist bei den Whippets i d R die letzte Chance, um sie z B bei Hetztrieb noch abgerufen zu bekommen) eingreifen zu können.
Erst letztens hatte ich so ein Erlebnis: Edgar geht (leider) mit einer Art Hunden nicht gerade zimperlich um. Alles, was klein und wuschelig aussieht und so ein wenig an den Hasen am Seil erinnert, wird auf den Rücken gelegt und an die Kandarre genommen. Es ist nicht schön und den Hunden und deren Besitzer ggü sehr unangenehm. Letztens gab es wieder eine Situation, wo ich am Blick und der immer dominanter werdenden Haltung (Edgars Kopf geht über den Rücken des anderen Hundes) erkannte, dass ich JETZT ablenken und unterbinden muss. Eine Freundin sagte, ich solle mich entspannen, alles wäre gut. Und da war es schon geschehen. Edgar legte den Hund auf den Rücken und machte ihn rund. Die Frau meckerte, ich entschuldigte mich, und das Ergebnis: "Windhunde haben den kleinen Hund angefallen!"
Nee, will sagen, ich verlasse mich auf MICH und MEINE Erfahrungen mit den Whippen. Und ich habe gelernt, dass IMMER was dazwischen kommen kann. Schnell ändert sich die Dynamik....man muss Augen haben, wie ein Luchs und antizipieren, wie ein Dolmetscher.
Kurz und gut: nach dem März des letzten Jahres ist nichts mehr wie früher und ich bin froh zu wissen, dass in dem einen oder anderen Kopf auch etwas passiert ist!

dein Fridolin ist aber ein toller Whippet. Sehr sehr hübsch!

Sandra hat gesagt…

Ich kenne dieses Verhalten sehr gut, Fridolin macht das leider auch - schon seit er ein Welpe war, und es ist ihm nicht abzugewöhnen. Ich möchte mir zwar einbilden, dass es besser geworden ist, aber das liegt wahrscheinlich eher daran, dass ich kaum noch in Hundezonen mit ihm gehe, wo es viele kleine Wuschel gibt die man mobben kann. In freier Natur, also zB bei uns in den Weinbergen, geht er mit Artgenossen ganz anders um, auch mit kleinen. Es muss also immer an einem selber liegen, die Situation zu verändern, denn der Hund selbst legt solche Verhaltensweisen nur schwer ab. Aber genau darum gehts ja, man muss als Besitzer wachsen.

Ich hab euch übrigens verlinkt! :)

Whippenblog von Edgar und Igor hat gesagt…

Danke, nochmal f Verlinken, lb Sandra, habe selbiges getan! Freu mich! LG Gunnar